Meine Malphilosophie

Malen und Philosophie, wie passt das zusammen?

In meinem Leben sind beide Bereiche eng verwoben. 

Meine aktuellen Hobbies sind Malen, Philosophieren, Fotografieren und Sammeln von Aphorismen.

Ich liebe es, über besondere Aphorismen nachzudenken.

Mein Lieblingsspruch ist von Jean Paul: 

Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus welchem wir nicht vertrieben werden können. 

Dieser Satz passt genau zu meiner Familiengeschichte und ist auch eine Erklärung dafür, warum gerade das Malen meine Leidenschaft geworden ist.

Ich bin als zweites Kind in eine Flüchtlingsfamilie hineingeboren. Meine Mutter war als junges Mädchen gezwungen, aus Breslau im damaligen Schlesien zu flüchten. Mein Vater war ein aus Ostpreußen vertriebener junger Mann, der seine Heimat niemals wiedersehen sollte. Für uns Kinder war die Erinnerungskultur unserer Eltern an verlorene Gebiete, in die man teilweise nicht mehr zurückkehren konnte, omnipräsent. Für mich war schon früh klar, dass ich mir Hobbies zulegen wollte, die ohne großes Gepäck und ohne viel Material überall auf der Welt ausführbar sein sollten. Und ich wollte dazu beitragen können, für Menschen mit Flüchtlingsproblematik und Heimweh in Bildern die verlorenen Gebiete und Landschaften wieder auferstehen zu lassen, an die sich viele dieser Menschen gerne zurück erinnern.

Inzwischen ist meine Ambition beim Malen, den Betrachtern in meinen Bildern Lebensräume anzubieten, in die sich die Betrachtenden gedanklich mit Freude oder auch Sehnsucht hineinbewegen können. Auch imaginäre Räume mit positiven Assoziationen sollen meine Bilder entstehen lassen. Wenn jemand bei einer Bildbetrachtung z.B. am liebsten mit den abgebildeten Schwänen weiterfliegen möchte oder aber beim Blick aus einem Fenster in die Weite seine Lieblingslandschaft sucht und wiederfindet, dann ist das für mich als Malerin ein wunderbarer Effekt meiner Bilder.

Ich versuche, Lebensräume und womöglich auch Lebensträume in meinen Bildern darzustellen. Schön wäre es, wenn die Betrachter in meinen Werken ihre eigenen kleinen Paradiese als Wohlfühlorte wiederfinden könnten.

Der Himmel in all seinen faszinierenden Varianten und die Bewegung oder auch die Stille des Wassers spielen eine große Rolle in meiner Kunst. Und immer wieder versuche ich auch, den Nachthimmel zu realisieren. Die Umsetzung besonderer Lichtverhältnisse soll meinen Bildern Leichtigkeit und Tiefe vermitteln. 

In der Heimatgegend meines Vaters und meiner Großeltern lebte und wirkte Immanuel Kant als Philosoph. Von ihm stammt ein Zitat, das in Kaliningrad, dem früheren Königsberg, auf einer Bronzetafel am Standort der ehemaligen Schlossmauer sowohl in Russisch wie in Deutsch steht, weil Kant von beiden Nationen verehrt wird: 

Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der gestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.

Dieses Zitat zeigt in wunderbarer Weise, dass Philosophie und Bewunderung für die Schönheit dieser Welt und der Versuch, sie beim Malen zu verbinden, durchaus zusammenpassen.

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